Kontributionskataster 1772/1773

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Einleitung

Nach der Besitzergreifung Westpeußens und des Netzedistrikts durch Preußen während der ersten Polnischen Teilung im Jahre 1772, wurde der Geheime Finanzrat Rembert Roden von Friedrich dem Großen damit beauftragt, eine Landesaufnahme dieser Gebiete vorzubereiten. Die Landesaufnahme sollte die Grundlagen liefern, die notwendig waren, um das preußische Steuersystem in den neuen Gebieten einzuführen. In den Jahren 1772/73 waren drei Kommissionen mit etwa 60 Beamten und 40 Feldmessern mit dieser Arbeit beschäftigt. Für jeden Ort wurde ein Kataster angelegt, der bis zu 91 Einzelpunkte umfassen konnte.

Der Kataster erfaßte nicht jeden einzelnen Bewohner mit Namen, sondern nur die Familienvorstände. Die meisten Familienvorstände waren männlich, obwohl auch einige Frauen aufgeführt sind. Frauen werden am häufigsten als Witwen mit den Nachnamen ihrer verstorbenen Ehemänner erwähnt. Leider sind viele Frauen ohne Nachnamen angegeben, dies ist ebenso der Fall bei männlichen Juden und teilweise bei Personen polnischer Herkunft. Ein wichtiger Aspekt des Kontributionskatasters ist die Auflistung der Kinder. Die Anzahl der Kinder, die 1772 am Leben waren, wurde zahlenmäßig erfaßt und das Alter meistens als über oder unter 12 Jahren angegeben.

In Europa ist der Kontributionskataster von verschiedenen deutschen und polnischen Autoren besprochen worden. Eine Liste mit Literaturhinweisen befindet sich am Ende dieser Einleitung.

Die Geschichte der Besitzverhältnisse und Archive, in denen der Kontributionskatasters aufbewahrt wurde, ist äußerst interessant. Große Teile des Bestandes sind in der Vergangenheit immer wieder von einem Archiv zum nächsten verbracht worden. Viele Bände haben die beiden Weltkriege überstanden, z. B. Reste der Originalbestände von Westpreußen sowie deren zeitgenössische Kopien, sie befinden sich heute im Geheimen Staatsarchiv in Berlin. In Bromberg/Bydgoszcz, Polen werden die Originalbestände des Netzedistrikts aufbewahrt. Da wir keine Erlaubnis erhalten haben das entsprechende Material aus Bromberg/Bydgoszcz im Internet zu veröffentlichen, schließen die Namenslisten den Netzedistrikt nicht mit ein.

In den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts wurden von den Bänden Westpreußens ohne den Netzedistrikt maschinengeschriebene Auszüge angefertigt. Diese Auszüge befinden sich heute im Herder-Institut in Marburg, Deutschland. Vor mehr als dreißig Jahren wurden Mikrofilme von diesem Material angefertigt. Ein Satz Filmkopien wird im Marburger Staatsarchiv aufbewahrt, ein anderer aus Sicherheitsgründen an einem geschützten Ort und ein dritter befindet sich im Wissenschaftlichen Institut in Thorn/Torun, Polen. Mit freundlicher Unterstützung des Herder-Instituts haben wir Kopien dieser Mikrofilme erhalten; wir möchten uns nochmals für dieses Entgegenkommen bedanken. Die vorliegende Veröffentlichung ermöglicht es, daß interessierte Personengruppen diese Informationen weltweit nutzen können.

Das gefilmte Material enthält nur die Namen der Familienvorstände und die Anzahl der Haushaltsmitglieder, einschließlich der Knechte und Mägde. In einigen Fällen fehlt die Angabe der beschäftigten Personen. Das Originalmaterial enthält außerdem Anzahl und Art der Tiere, - der Geräte, - der Gebäude, - der Haushaltsgegenstände, usw.

Überlieferungsformen

Heute stehen uns drei Überlieferungsformen dieses Katasters in verschiedenen Archiven und Institutionen zur Verfügung:

  1. Originalexemplare bzw. "Urschriften".
  2. Zeitgenössische Abschriften aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, auch "Reinschriften" genannt.
  3. In den Jahren 1919-20 und 1940-45 angefertigte Auszüge, die sogenannten "Gesamtauszüge" und "Teilauszüge" oder auch "Marburger Auszüge" genannt.

Die "Gesamtauszüge" sind maschinengeschriebene Abschriften von bestimmten Einzelpunkten des Katasters, angefertigt von Archivmitarbeitern des Staatsarchives Danzig/Gdansk in den Jahren 1919-1920. Die "Teilauszüge" sind Abschriften, die in den Jahren 1940-1945 in Danzig/Gdansk von den Gesamtauszügen angefertigt wurden. Sie umfassen nicht alle Einzelpunkte der "Gesamtauszüge".

Die folgenden Tabellen geben eine kurze Übersicht der Archive und Institutionen, die heute verschiedene Überlieferungsformen der Kataster aufbewahren. Wir stützen uns dabei auf den Artikel von Kornelia Hubrich-Mühle "Der Kontributionskataster der Friderizianischen Landesaufnahme Westpreußens und des Netzedistrikts aus dem Jahre 1772/73. Überlieferungsgeschichte und Forschungsstand", sowie auf eigene Recherchen:

  1. Originale
    • Berlin (Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz)

      6 Bde. Regierung Marienwerder:
      1 Bd. Amt Deutsch Krone
      1 Bd. Amt Filehne
      1 Bd. Amt Krojanke
      1 Bd. Amt Neuhof
      2 Bde. Amt Gollub

    • Danzig/Gdansk (Wojewódzkie Archiwum Panstwowe w Gdansku)

      2 Bde. Amt Elbinger Höhe

    • Bromberg/Bydgoszcz (Wojewódzkie Archiwum Panstwowe w Bydgoszczy)

      4 Bde. Amt Bromberg
      4 Bde. Amt Labiszin
      4 Bde. Amt Grabionne
      2 Bde. Amt Margonin
      5 Bde. Amt Czarnikau
      2 Bde. Amt Friedland
      2 Bde. Bezirke Jenseits und Anseits der Netze
      1 Bd. Amt Neuhof
      1 Bd. Amt Inowroclaw
      1 Bd. Amt Kruschwice
      2 Bde. Amt Mogilno
      2 Bde. Amt Notetz
      2 Bde. Amt Pakosz

  2. Abschriften, 18. Jahrhundert
    • Berlin (Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz)

      "Reinschriften" außer Ermland und 2 Bänden Amt Baldenburg
      Weitere Abschriften und Auswertungen der Originalkataster und ihrer Fortschreibungen aus den Jahren 1773-1808, zusammen 10 Bände, davon 8 Bände Regierung Marienwerder
      Amt Deutsch Krone
      Amt Czarnikau
      Amt Märkisch Friedland
      Amt Neuhof
      Amt Filehne
      Amt Hammerstein
      Amt Schlochau
      Amt Schoenlanke
      Amt Schloppe
      Amt Schrotz
      1 Bd. Ortschaft Bollwerk in der Elbinger Niederung
      1 Bd. Amt Mewe aus dem Bestand Landratsamt Marienwerder
      Abschrift der "Hilfsverzeichnisse", die bis 1917 zur Erschließung der damals noch vorhandenen Originalbestände angefertigt wurden.

  3. Auszüge, 20. Jahrhundert
    • Marburg (Herder-Institut)

      Sogenannte "Marburger Auszüge" bestehend aus den "Teilauszügen" und den "Gesamtauszügen".

    • Marburg (Hessisches Staatsarchiv)

      11 Mikrofilme von den "Marburger Auszügen"

    • Thorn/Torun (Towarzystwo Naukowe w Toruniu)

      Kopien der im Hessischen Staatsarchiv Marburg aufbewahrten Mikrofilme von den "Marburger Auszügen".

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